Schleichende Autonomisierung?

Soldat demonstriert Teile der IdZ-Ausrüstung. Bild: © KrisfromGermany [Gemeinfrei] - Wikimedia Commons

Das Geschäft mit dem Krieg läuft für den Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall gut. Bereits um 16 % hat sich der Umsatz der Unternehmenssparte “Defence” auf EUR 612 Mio. im Vergleich zum Vorjahreswert erhöht.[1]  Erst im Juli bestätigte das Unternehmen zudem zwei Aufträge der Bundeswehr für mehr als 2200 militärische LKWs in Höhe von EUR 900 Mio. sowie Panzermunition im Wert von EUR45 Mio.[2] Bei der bestehenden Auftragslage ist es kaum verwunderlich, dass für die Rüstungssparte mit einem Umsatzwachstum von 5-6 % Prozent für das laufende Geschäftsjahr gerechnet wird.[3]

Ende Juni dieses Jahres gab Rheinmetall zudem die Lieferung von 68 Zugsystemen „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES) für rund 2460 Soldaten im Wert von EUR 370 Mio. an die Bundeswehr bekannt.[4] Hierbei handelt es sich um eine modulare Kampfausstattung, die eine gesamtheitliche, „vernetzte Operationsführung“ der abgesessenen Soldaten aufgrund der in ihrer Ausstattung verbauten Systeme und Komponenten möglich macht.[5] Bereits seit 2013 sind 90 dieser sogenannten „Gladius-Systeme“ im Einsatz in Afghanistan.[6] Wie Oliver Hoffman, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Rheinmetall AG, damals berichtete, zielt „Gladius […] vor allem darauf ab, die zehn Mann starke Infanteriegruppe mit ihrem Fahrzeug in die vernetzte Operationsführung einzubinden. Dieses Netzwerk aus Aufklärungs-, Führungs- und Waffenwirkungskomponenten ermöglicht den schnellen Austausch von Informationen und lässt ein gemeinsames Lagebild als Grundlage für die Planung und Führung von Einsätzen entstehen.“[7]

Teil des aktuellen, modularen Systems ist das Multi Mission Unmanned Ground Vehicle, welches vergangenen Februar auf der Waffenmesse IDEX in Abu Dhabi vorgestellt wurde und mit welchem Rheinmetall nun schrittweise in den Robotik-Markt vordringt.[8] Das unbemannte Radfahrzeugsystem kann laut Rüstungskonzern sowohl ferngesteuert, teilautonom sowie vollständig autonom agieren. Als Mehrzweck-Plattform kann es eine Reihe von Aufgaben erfüllen von der taktischen Überwachung zur Evakuierung Verwundeter sowie als Waffenplattform.[9] Mit den Wortes des Konzerns „Hierzu kann es mit kundenspezifischen oder Rheinmetall-Subsystemen ausgestattet werden.“[10]

Einmal abgesehen von der technologischen Aufrüstung des menschlichen Soldatenkörpers („Human Enhancement“), seiner Optimierung  und einer damit einhergehenden moralischen Fragwürdigkeit, drängt Rheinmetall mit seinem Mehrzweck-Radfahrzeugsystem auf einen noch immer nicht reglementierten Markt für autonome Waffensysteme. Je stärker Rüstungskonzerne neue Modelle mit autonomen Fähigkeiten auf den Markt bringen – mit und ohne Unterstützung ihrer Regierungen und Auftraggeber -, desto schwieriger wird es, ein präventives Verbot im Rahmen der Vereinten Nationen durchzusetzen. Während sich die Staatengemeinschaft noch über Definitionen streitet, werden (semi-)autonome Systeme vermehrt auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt eingesetzt – ganz ohne jegliche Kontrolle.


[2] Rheinmetall AG (2017): Pressemitteilung: Rheinmetall modernisiert logistischen Fahrzeugpark der Bundeswehr (06/07/2017): https://www.rheinmetall.com/de/rheinmetall_ag/press/news/latest_news/index_12032.php

Rheinmetall AG (2017): Pressemitteilung: Rheinmetall gewinnt bedeutenden Munitions-Rahmenvertrag der Bundeswehr (18/07/2017): https://www.rheinmetall-defence.com/de/rheinmetall_defence/public_relations/news/latest_news/index_14336.php

[4] Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (2017): Pressemitteilung: Bundeswehr bestellt neue Infanterieausrüstung und Kräne (27/06/2017): http://www.baainbw.de/resource/resource/RmQzUCt0dDdUMWtWTHZ3bVlhYXlZK1A0eVNTdEViSUVnb09udVZRaXRscUg2enBxcENBRy9paGlWc3V2SjM4anhkSjBTclZSc2dEQ3ZuZi8xUFdUYnNrTW5HZmg5Y0dMMCtiVzFFUUhpN1U9/PM_Trendwende_Material_zum_Anfassen.pdf

Bundeswehr Journal (2017): Modulare Kampfausstattung für rund 2460 Soldaten (01/07/2017): http://www.bundeswehr-journal.de/2017/modulare-kampfausstattung-fuer-rund-2460-soldaten/

[5] Rheinmetall AG (2017): Pressemitteilung: Rheinmetall holt Großauftrag der Bundeswehr im Wert von 370 MioEUR (28/06/2017): https://www.rheinmetall-defence.com/de/rheinmetall_defence/public_relations/news/latest_news/index_13888.php

[6]Bundeswehr Journal (2017): Modulare Kampfausstattung für rund 2460 Soldaten (01/07/2017): http://www.bundeswehr-journal.de/2017/modulare-kampfausstattung-fuer-rund-2460-soldaten/

[7] Rheinmetall AG (2017): Pressemitteilung: „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“: Rheinmetall liefert hochmoderne „Gladius“-Soldatenausstattung an die Bundeswehr (19/06/2012): https://www.rheinmetall-defence.com/de/rheinmetall_defence/public_relations/news/latest_news/index_705.php

[8] Rheinmetall AG (2017): Pressemitteilung: Rheinmetall auf der IDEX 2017 (19/02/2017): https://www.rheinmetall-defence.com/de/rheinmetall_defence/public_relations/news/latest_news/index_12482.php

[9] Rheinmetall AG (2017): Presse Info: Neu auf der IDEX – Rheinmetalls Robotik-Radfahrzeugsysteme: Multi Mission Unmanned Ground Vehicle Systems für vielseitige Einsätze (19/02/2017): https://www.rheinmetall-defence.com/media/editor_media/rm_defence/publicrelations/pressemitteilungen/2017/2017_02_19_rheinmetall_idex/deutsch/2017-02-19_Rheinmetall_IDEX_Multi_Mission_UGV_de.pdf

[10] Rheinmetall AG (2017): Pressemitteilung: Rheinmetall auf der IDEX 2017 (19/02/2017): https://www.rheinmetall-defence.com/de/rheinmetall_defence/public_relations/news/latest_news/index_12482.php

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