Elbit Systems Ltd präsentiert vollautonomes Mörser-System  – ein Verbot autonomer Waffen wird immer notwendiger

Nur wenige Tage vor der 2. International Ground Warfare and Logistics Conference vom 16.-18. Mai 2017 in Latrun, Israel, präsentierte der in Haifa ansässige Hightech-Rüstungskonzern Elbit Systems Ltd ein neues autonomes Waffensystem: Spear MK2 ist ein vollständig autonomes Mörser-System, welches aufgrund einer Verringerung des Rückstoßes auf leichten Kampffahrzeugen montiert werden kann (z.B. Humvees oder Geländewagen).1

Computergesteuerte Zielvorrichtungen und Navigationsgeräte ermöglichen einen autonomen Betrieb.  Laut Hersteller bietet Spear MK2 zudem eine höhere Zielgenauigkeit und ein verbessertes Situationsbewusstsein. Letzteres ist auf die Erzeugung eines umfassenden, taktischen Lagebilds zurückzuführen, welches eine Bedrohungsanalyse durchführt, Angriffe prognostiziert und vermeintlich zwischen Freund und Feind unterscheidet.2

Während im Rahmen der Vereinten Nationen über ein präventives Verbot über autonom agierende Waffensysteme diskutiert wird, arbeiten Wissenschaftler und Ingenieure in Rüstungskonzernen also weiterhin unter Hochdruck an der Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz. Mit der Bereitstellung autonomer Technologien wird eine Nutzung in Kampfeinsätzen immer wahrscheinlicher. Damit tragen Rüstungskonzerne massiv zu erneutem Wettrüsten bei und behindern den internationalen Normfindungs- und Verhandlungsprozess.

Angesichts eines Rückgangs klassischer, zwischenstaatlicher Kriege und dem vermehrten Einsatz von Militärtechnologie in „kriegsähnlichen Verhältnissen“ etwa bei der Terrorbekämpfung oder im Rahmen militärischer Interventionen, stellt sich jedoch die Frage wie ein autonomes System zwischen Freund und Feind unterscheiden soll, wenn Kriegsbeteiligte immer seltener klassische Uniformen tragen. Die Diskriminierung bzw. Unterscheidung von Zivilisten und Kombattanten ist jedoch ein zentraler Eckpfeiler des Humanitären Völkerrechts. Durch den Einsatz autonom agierender Waffensysteme wird dieses praktisch außer Kraft gesetzt.

Die Weiterentwicklung autonomer Waffensysteme durch Rüstungskonzerne macht die Notwendigkeit zügiger Fortschritte im Rahmen der UNO-Waffenkontrollverhandlungen deutlich. Die Politik darf sich die ethische Bewertung über deren Weiterentwicklung und Einsatz nicht durch die Industrie abnehmen lassen. Die Mühlen der UN-Diplomatie müssen schneller drehen. Deutschland kann mit gutem Beispiel vorangehen, in dem es im November in Genf bei den CCW-Verhandlungen eine grundsätzliche Ablehnung und Ächtung tödlicher, autonomer Waffensysteme erklärt – ein Bekenntnis auch im aktuellen Koalitionsvertrag.

  1. http://elbitsystems.com/pr-new/elbit-systems-presents-spear-mk2-latest-version-fully-autonomous-mortar-system-lightweight-combat-vehicles/?pageid=PR%20-20%20News&ind=0 []
  2. http://elbitsystems.com/media/SPEAR.pdf []

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