Ferngesteuerter Roboter tötet Scharfschützen in Dallas

Am 07.Juli 2016 kam es in Dallas (Texas, USA) während einer friedlichen Demonstration gegen Polizeigewalt zu heimtückischen Schüssen von Heckenschütz*innen auf Polizist*innen, welche die Kundgebung begleiteten. Dabei wurden fünf Beamt*innen getötet und neun Personen verletzt, darunter auch zwei Zivilist*innen.1.

Einer der Heckenschützen verschanzte sich nach der Tat in einem Parkhaus und es kam über mehrere Stunden hinweg zu Schusswechseln, aber auch zu Verhandlungen mit der Polizei. Letztendlich entschied die Polizei jedoch, ihn mit Hilfe eines ferngesteuerten Roboters, der einen ebenfalls ferngesteuerten Sprengsatz in der Nähe des Heckenschützen absetzte, zu töten. Laut CNN handelte es sich dabei um den Remotec Andros Roboter von Northrop Grumman. Er ist auf Rädern montiert und mit Sensoren und einem Greifarm ausgestattet. In der Vergangenheit wurde er u.a. von Polizeikräften und Militärs in verschiedenen Ländern zur Beseitigung von Bomben eingesetzt. Der Roboter war unbemannt, operierte aber nicht autonom. Es handelte sich daher nicht um den Einsatz eines sog. Killer Roboters, eines vollautonomen Waffensystems. Dennoch wirft der Vorfall Fragen in Bezug auf die ethische Zulässigkeit von ferngesteuerten Waffen auf, da dies vermutlich das erste Mal war, dass Polizist*innen mit Hilfe eines Roboters einen Menschen töteten2.

Der Vorfall ist deshalb so alarmierend, weil er einerseits die steigende Militarisierung der Polizei in den Vereinigten Staaten belegt bzw. als erstes Beispiel für die Verwendung von ferngesteuerten tödlichen Robotern außerhalb von Kriegsgebieten steht. Fragen, die in den Medien in diesem Zusammenhang gestellt wurden, sind beispielsweise: Wurden die Polizist*innen für den Einsatz der Roboter ausgebildet? Inwieweit wurde der Einsatz an diesem Tag geplant bzw. wurde improvisiert? Warum wurde eine Waffe benutzt, die unweigerlich zum Tod des Scharfschützen führen musste? Welche Alternativen gab es?

Verschiedene wissenschaftliche Quellen legen nahe, dass es technisch sehr gut möglich ist, den Remotec Andros Roboter (zukünftig) auch teilweise autonom operieren zu lassen. Die Mitglieder der Tenesse Technological University entwickelten beispielsweise ein Modul, welches den Andros HD1 Roboter teil-autonom agieren lässt. Dieser Prototyp ist nach Angaben des „Autonomen Roboter Clubs“ der Universität auch für ähnlich konstruierte Roboter verwendbar und ließe sich zudem kommerziell produzieren3. Eine weitere wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 2006 belegt ebenfalls das es möglich ist den Andros Roboter mittels eines erweiterten Sensorsystems variable, autonome Operationen durchführen zu lassen4.

Amnesty International und Human Rights Watch haben in den letzten Jahren bereits Berichte veröffentlicht, in denen sie zum Schluss kommen, dass der Einsatz von autonomen oder teilweise autonomen Waffensystemen grundlegende Menschenrechte, wie das Recht auf Leben, das Recht auf Rechtsschutz sowie die Menschenwürde, missachte5. Dabei analysieren die beiden Nicht-Regierungs-Organisationen auch explizit den (möglichen) Einsatz im nicht-militärischen Bereich (Grenzschutz, polizeiliche Strafverfolgung) und warnen davor, dass Vorläufer autonomer Kampfroboter – beispielsweise Drohnen und ferngesteuerte unbemannte Fahrzeuge – bereits jetzt Rechte verletzten und sich ihr Einsatz in einem fragwürdigen ethischen Rahmen bewege.

2013 wurde vor diesem Hintergrund die „Campaign to Stop Killer Robots“ ins Leben gerufen, die von Amnesty International, Human Rights Watch und Facing Finance (in Deutschland) sowie 58 weiteren NGO`s in 26 Ländern aktiv unterstützt wird. Die Kampagne setzt sich für ein präventives Verbot der Entwicklung, der Lagerung, des Transfers und des Einsatzes von vollständig autonomen Waffensystemen, sogenannten Killer Robots, ein.

Die Homepage der „Campaign to Stop Killer Robots“ finden Sie hier.

Das Positionspapier “Tödliche, autonome Waffensysteme völkerrechtlich verbieten!“ von Facing Finance und Brot für die Welt finden Sie hier.

Den Bericht “Autonomous Weapon Systems: Five Key Human Rights Issues for Consideration” (2015) von Amnesty International finden Sie hier

Den Bericht “Shaking the foundations: The Human Rights Implications of Killer Robots” (2014) von Human Rights Watch finden Sie hier

  1. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/dallas-mutmasslicher-polizistenmoerder-war-soldat-in-afghanistan-a-1102183.html 08.07.2016, aufgerufen am 11.07.2016 []
  2. http://edition.cnn.com/2016/07/09/opinions/dallas-robot-questions-singer/index.html  10.07.2016, aufgerufen am 12.07.2016 []
  3. http://www.igvc.org/design/2011/Tennessee%20Tech%20-%20Andros.pdf  2011, aufgerufen am 13.07.2016 []
  4. http://trace.tennessee.edu/utk_gradthes/1499/  2006, aufgerufen am 13.07.2016 []
  5. https://www.hrw.org/news/2014/05/12/keep-killer-robots-out-policing 12.05.2014, 11.07.2016 []

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